Arles, Frankreich, 02.12.2003

Einsatz in Frankreich

Nach tagelangen Regenfällen sind weite Teile Südfrankreichs von schweren Überschwemmungen betroffen.

Stand: 20.12.2003

(Fettgedruckt = unser Ortsverband)

Nur vier Monate nach der Hitzetragödie erlebt Frankreich eine zweite Naturkatastrophe: Durch Herbststürme mit schweren Regenfällen kam es zu einem Jahrhunderthochwasser in den südlichen Landesteilen zwischen Lyon, Marseille, Nimes und Montpellier, wie es seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr vorgekommen ist. Die letzte große Flut solchen Ausmaßes wurde 1856 registriert.

Verantwortlich für die Hochwasserkatastrophe an der Rhône sind nach Darstellung von Meteorologen heftige Herbststürme an der französischen Mittelmeerküste mit schweren Regenfällen. Zwar sind in dieser Jahreszeit Regenstürme nichts ungewöhnliches, außergewöhnlich ist aber ihre Dauer von über fünf Tagen. Es hat bis zu zwei Mal so viel geregnet wie in einem normalen Herbst. Hinzu kamen Windgeschwindigkeiten von über 100, in Böen sogar von über 150 Kilometern pro Stunde. Örtlich fielen zum Teil über 200 Liter Regen je Quadratmeter.


02.12.2003 Dienstag:

In den 24 Stunden von Dienstag 06.00 Uhr bis Mittwoch 06.00 Uhr werden 70 bis 150 Millimeter Regen erwartet, örtlich auch bis zu 200 Millimeter.
Nach Angaben der Rettungsbehörden mussten hunderte Menschen in mehreren Departements vor den anschwellenden Fluten in Sicherheit gebracht werden. In Avignon erreichte die Rhône einen Pegelstand von mehr als sechs Metern und überflutete die Barthelasse-Insel. Zahlreiche Straßen und Eisenbahnstrecken mussten gesperrt werden, darunter die Autobahn 47 zwischen Lyon und Saint-Etienne auf der Höhe von Givors. Auch die Loire trat über die Ufer.
Rettungstaucher konnten einen 45-Jährigen in Marseille und einen 80-Jährigen in Orange nur noch tot bergen. Am Rande eines über die Ufer getretenen Flusses im Departement Ardèche wurde die Leiche eines 50-jährigen Autofahrers gefunden.

03.12.2003 Mittwoch:

Am Mittag bargen Rettungskräfte in Virigneux bei Lyon die Leiche einer seit dem Vortag vermissten 53 Jahre alten Frau, die das Hochwasser von einer Brücke gerissen hatte. Damit erhöhte sich die Zahl der Todesopfer auf vier.
Staatspräsident Jacques Chirac macht sich bei Marseille ein Bild von der Lage im Katastrophengebiet. Die Regierung richtet einen Krisenstab ein und stellte zwölf Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung. Mehr als 4.000 Rettungskräfte sind im Einsatz und setzten mit Booten und Helikoptern die Evakuierungen fort. In Avignon erreicht die Rhône einen Stand von 7,26 Metern, das sind fast drei Meter über der Hochwassermarke. Der heftige Südwind staut die Wassermassen und verhindert ein schnelles Abfließen ins Mittelmeer.

04.12.2003 Donnerstag:
Kurz nach 19:00 Uhr gibt es die ersten Voralarmierungen der THW-Ortsverbände.
Die ersten Einheiten des THW brechen gegen 22:00 Uhr nach Arles etwa 50 Kilometer nordöstlich von Marseille in Frankreich auf. Dort ist ein Wohngebiet bereits überflutet und ein Industriegebiet akut von den Wassermassen bedroht. Die Region um Arles, Avignon und Nimes ist von dem Hochwasser am meisten betroffen.

Bundesinnenminister Otto Schily hat dazu am Donnerstagabend dem THW in Absprache mit Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy und auf Ersuchen der Europäischen Union den Auftrag erteilt, nach Südfrankreich aufzubrechen und dort der Bevölkerung zu helfen.

Die THW-Hochwasserspezialisten aus den THW-Landesverbänden Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sowie dem THW-Länderverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland werden voraussichtlich eine Woche im Einsatzgebiet bleiben.
Insbesondere werden folgende Fachgruppen eingesetzt: Wasserschaden/Pumpen, Beleuchtung, Logistik Verpflegung, Logistik Material, Führung/Kommunikation, Elektroversorgung. Des weiteren Gerätekraftwagen (GKW) 1 und 2 sowie Zugtrupp.
Allein die Gesamtleistung der Hochleistungspumpen beträgt etwa 40.000 Kubikmeter pro Stunde.

Die Präfektur des Departements Gard widersprach unterdessen Berichten über ein sechstes Hochwasseropfer. Am Donnerstag war ein Mann in Bellegarde bei Nîmes gestorben. Todesursache sei jedoch ein Herzschlag gewesen, sagte ein Behördensprecher.

05.12.2003 Freitag:

11 Helfer unseres Ortsverbandes sind am Freitag 00:00 Uhr losgefahren.
Zusammen mit dem Ortsverband Traunstein fahren sie zu einem Sammelpunkt in Neu-Ulm. Von dort aus geht es zur deutsch-französischen Grenze. Hier erwartet eine Polizeieinheit die Helfer, um sie nach Arles in Südfrankreich zu eskortieren.
Fahrzeuge: Gerätekraftwagen 2 (GKW 2) mit dem 320 KVA Aggregat, Ladeborder und Mannschaftstransportwagen (MTW).
Eingesetzte Helfer: Burger Siegfried, Weinzierl Werner, Brams Walter, Tasch Christian, Ferwagner Florian, Luginger Alois, Luginger Jürgen, Wagner Andreas, Müller Thorsten, Jandke Ronny, Ostermeier Andreas.


Erste Station der Helfer aus Nordrhein-Westfalen ist Euskirchen. Dort werden die einzelnen Einheiten zu Modulen zusammengefasst. Die Fahrtroute führt über Trier und Luxemburg zur französischen Grenze.

Ein weiterer Sammelpunkt ist auch der Neu-Ulmer Volksfestplatz für 25 Ortsverbände aus Südbayern. Dort wurde eine Einsatzleitung gebildet und provisorische Nachtquartiere errichtet. Bis 4 Uhr morgens treffen 280 Helfer aus ganz Südbayern mit 83 Fahrzeugen und 29 Anhängern am Sammelpunkt ein, um als Konvoi die mehr als 1.000 Kilometer lange Strecke ins Hochwassergebiet nach Arles nördlich von Marseille zurück zu legen.
Der ursprünglich für 4 Uhr morgens geplante Start des Konvois verzögerte sich um einige Stunden. Gegen 7.30 Uhr schließlich formiert sich die Fahrzeugkolonne und startet über die Autobahn A8 in Richtung französischer Grenze. Gegen 15 Uhr haben die THWler den Rhein bei Kehl erreicht und dort Zeit, erstmals zu verschnaufen. Nach dem Grenzübertritt werden sie von französischen Polizisten eskortiert. Da es auf den französischen Strassen am Nachmittag teilweise stark nebelig ist, kommt der Konvoi streckenweise langsamer voran als geplant. Die durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt deswegen nur 50 Stundenkilometern.

Inzwischen kommt die Meldung aus Südfrankreich, dass Menschen nicht mehr gefährdet seien, aber der technische Sachverstand der THW-Helfer sehr willkommen sei.

Kurz nach sechst Uhr früh fliegt ein dreiköpfiges Koordinatenteam nach Marseille, um den Einsatz der 40 Fachgruppen vorzubereiten. Des weiteren kümmern sie sich um die Zusammenarbeit mit der französischen Einsatzleitung.
Bereits in der Nacht vom 5. auf dem 6. Dezember wird an vier Einsatzorten im Stadtgebiet von Arles mit den Pumparbeiten begonnen.

Inzwischen befinden sich rund 850 THW-Einsatzkräfte mit circa 250 Fahrzeugen unterwegs in Südfrankreich.

Vorläufige Bilanz:

Mehr als 10.0000 Evakuierte, alleine im Raum der südfranzösischen Stadt Nimes waren gestern Mittag immer noch 250 000 Menschen von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten, in der gesamten Region Süd 300 Straßen gesperrt. 25 000 Haushalte bleiben längerfristig ohne Telefon, 7 000 Helfer sind in den rund 20 betroffenen Departements im Dauereinsatz, vier Atomkraftwerke im Katastrophengebiet wurden vorübergehend abgeschaltet.
Zum ersten mal musste in Südfrankreich ein Gefängnis evakuiert werden. Von Scharfschützen bewacht werden in Arles Schwerverbrecher in Handschellen mit Schlauchbooten abgeholt. Die 193 Häftlinge kommen in andere Gefängnisse.
Nach Polizeiangaben gab es das sechste Todesopfer in Nîmes. Dort ist ein 37-jähriger Mann in seiner überfluteten Garage in der Ortschaft Bellegarde ertrunken. Laut Feuerwehr, wurde inzwischen auch Leiche einer 94-Jährigen in ihrem überfluteten Haus in Arles gefunden.


06.12.2003 Samstag:
Am Vormittag besucht der Direktor der französischen Zivilverteidigung und des Zivilschutzes, Christian de Lavernée, die im Einsatz befindlichen THW-Einsatzkräfte im Stadtgebiet der 50.000-Einwohnerstadt. Lavernée dankt dem THW für die schnelle Hilfe und zeigte sich beeindruckt von der Professionalität, mit der die ehrenamtlichen Helfer derzeit für eine rasche Entspannung der Lage in der überfluteten Stadt sorgen.

Zum Glück nur Blechschaden hieß es bei zwei Unfällen:
Auf der Autobahn A6 in Richtung Lyon sind ein LKW mit Anhänger und Hannibal 5m3 (zweier anderen Ortsverbände) verunglückt. Beide Fahrer blieben zum Glück unverletzt. Der Ortsverband dieser zwei Fahrer ist inzwischen wieder komplett nach Deutschland zurückgekehrt. An den Fahrzeugen entstand Totalschaden. LKW und Hannibal werden von einem Kran geborgen. Diese werden erst (wegen Sonntagfahrverbot) am Montag vom OV Fürth zurückgebracht.
Es gab noch einen weiteren sehr kleinen Unfall: Ein Anhänger des zweiten Konvois wurde von einem spanischen LKW leicht gestreift. Es entstand ein Schaden unter 100 Euro.

Um 11:00 Uhr sind unsere Helfer ca. 150 km vor Lyon entfernt und wahrscheinlich noch 10 Stunden unterwegs, bis sie am Einsatzort ankommen. Alle 2 Stunden werden die Fahrer gewechselt.
Unser Ortsverband hält ständig Kontakt mit den Einsatzkräften. So bestätigt Herr Burger am Telefon, dass "die Stimmung sehr gut ist".

Seit dem Mittag sind die meisten entsendete THWler im Einsatz.
Obwohl sich die Situation im Katastrophengebiet zunehmend entspannt, ist die Hilfe des THW in Arles und Umgebung dringend erforderlich. Die Stadt liegt in einem trichterförmigen Talkessel und lässt den Wassermassen außer dem Tal der Rhône keine andere Abflussmöglichkeit. Die THW-Einheiten helfen nun, mit einer Pumpleistung von etwa 40.000 Kubikmetern pro Stunde, mehrere Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Talkessel zu pumpen.
Trotz starker Winde und kalter Temperaturen kommt die Lage im Rhône-Gebiet gemäss den Behörden langsam unter Kontrolle. Die offizielle Katastrophenwarnung für das gesamte Rhône-Gebiet wurde Heute aufgehoben.

Die Wetterdienste haben für die nächsten Tage vor neuen Überschwemmungen an der Loire zwischen Orléans und Angers in Westfrankreich gewarnt. Am Montag sollte das Wasser allerdings wieder zurückgehen.

07.12.2003 Sonntag:
Einsatzorte sind das Stadtgebiet von Arles sowie die umgebenden Départements Gard und Bouches-du-Rhône.
Unter anderem gilt es die Altstadt von Arles, die zum Zeitpunkt der Meldung noch ca. 1,90 Meter überflutet ist, auszupumpen. Die Evakuierungsarbeiten der Altstadt wurden erst am heutigen Sonntag abgeschlossen.

Im Laufe des Tages drohte bei Arles ein Deich zu brechen, allerdings gelang es durch eine Standortverlagerung mehrerer Pumpen den Deich zu halten.

Im Überschwemmungsgebiet werden die französischen Hilfsdienste nicht nur vom THW sondern auch von belgischen und italienischen Hilfsmannschaften unterstützt. Die französischen Behörden setzen im Katastrophengebiet 7.000 Feuerwehrleute, 2.000 Polizisten und mehr als 500 Soldaten ein.


08.12.2003 Montag:

Dank des pausenlosen Einsatzes sinkt in der südfranzösischen Stadt Arles das Wasser. Zeitungsquellen sprechen davon, dass es noch zehn Tage dauern wird, bis die 18 Millionen Kubikmeter Wasser abgepumpt sind und mit dem Aufräumarbeiten begonnen werden kann.
Standort der Führungsstelle befindet sich 1 Kilometer östlich von Arles in Pont de Crau.

Die bayerische Helfer stellen mit 13 Fachgruppen Wasserschaden/Pumpen, 11 Fachgruppen Elektroversorgung, 2 Fachgruppen Führung/Kommunikation, 2 Zugtrupps als Verbandsbefehlsstellen, 4 Logistikeinheiten und 288 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern den größten Kontingent deutscher Helfer in Frankreich.

Bundesinnenminister Otto Schily hat heute den THW-Helfern seinen Dank für die schnelle Hilfe in dem Nachbarland ausgesprochen. Der Minister dankt zudem den Arbeitgebern, die in den kommenden Tagen auf Mitarbeiter verzichten müssen.

Die beim Muldehochwasser 2002 stark beschädigte Stadt Grimma sei hier als Beispiel angeführt. Zwei LKWs und ein Bus mit Sachspenden machen sich auf den Weg in die Katastrophenregion. Zusätzlich richtete die Stadt Spendenkonten ein, auf denen bisher über 35 000 Euro zusammengekommen sind.

Sprachbarrieren gibt es beim Helfen nicht. Dies zeigte sich als die französische Feuerwehr und das THW eine Person vor dem Ertrinken retten konnte. Die Frau war von Passanten in der Nähe des Museums im Nordteil der Stadt bewusstlos im Wasser treibend entdeckt worden. Von einem Rettungsboot aus wurde die Frau aus dem Wasser gezogen und zur medizinischen Erstversorgung an Land gebracht.


09.12.2003 Dienstag:

Situation vor Ort:
Der Einsatzschwerpunkt ist die Stadt Arles und die umliegende Region. In Arles sind ungefähr ein drittel der bebauten Fläche überflutet. 7.000 Einwohner sind direkt betroffen. Zur Zeit sind noch 4.400 Einwohner evakuiert. Das Militär wird angeblich massiv zur Bewachung eingesetzt.
Der Innenminister kündigte in Arles an, dass zum Schutz vor Plünderungen eine weitere Hundertschaft der Bereitschaftspolizei CRS abgeordnet werde.

Unser Ortsverband ist im Einsatzabschnitt 5 tätig, wie man aus einem Telefonat am Abend erfahren konnte. In diesem Einsatzabschnitt versorgt unsere Fachgruppe Elektroversorgung (FGr E) mit dem 320 KVA-Aggregat die Elektropumpen. Nachtsüber wird der Strom zusätzlich zum Beleuchten der Pumpen, woher das Wasser gepumpt wird und wohin das Wasser hin soll, verwendet. Des weiteren werden damit Heizwiderstände für die Übernachtungszelte betrieben, da es tagsüber zwar warm, nachts aber kalt ist.
Außerdem kümmert sich der Ergoldinger OV auch um die Kraftstoffversorgung zu den Hannibalpumpen.

Das THW hat seine eigene Verpflegungstrupps (FGr Logistik Verpflegung) dabei und kümmert sich selbständig um die Versorgung. Unser OV transportiert dann ein Teil des Essen zu den Einsatzkräften.

"Die Leute vor Ort sind sehr freundlich und freuen sich um jeden Zentimeter Wasser, wo weggeht" sagte unser Ortsbeauftragter am Telefon. "Die Verständigung ist teilweise sehr schwierig, da kaum ein einheimischer Englisch spricht und wir kaum Französisch. Zum Glück helfen uns immer wieder Dolmetscher" fügte Siegfried Burger an.

Morgen wird vielleicht(!) eine Entscheidung fallen, wie es weitergeht. D. h. ob der Einsatz nach einer Woche zu Ende ist oder verlängert wird. Zwar wird bei einer Verlängerung eine Ablösemannschaft bereitgestellt, aber unsere Helfer fügten gleich hinzu, dass sie dann gerne noch eine weitere Woche im Einsatz bleiben wollen.
Ausdrücklich bestätigt wurde noch einmal (der letzte Satz sagt eigentlich alles), dass es allen gut geht und die Motivation super ist!
Nach fünf Tagen konnten unsere Helfer den Arbeitsschweiß abduschen. Leider war nicht jede mobile Dusche mit warmen Wasser.

Auf einer Erkundungsfahrt wurden vom Wasser eingeschlossene Menschen entdeckt und gerettet.

Inzwischen wird auch ein Überlaufgraben in der Stadt ausgebaggert, so dass das Wasser zusammen mit den Hochleistungspumpen wahrscheinlich schneller zurück gehen wird. Vielleicht(!) kann dann morgen Abend oder Übermorgen mit den Aufräumarbeiten begonnen werden.

Ein Helfer eines anderen Ortsverband hatte zwar etwas Probleme mit seinem Magen, wird aber Morgen wieder fleißig weiterhelfen.

Der französische Innenminister Nicolas Sarkozy besuchte heute Mittag die Einsatzkräfte im südfranzösischen Katastrophengebiet und machte sich in Arles ein Bild von der Lage vor Ort. Sarkozy dankt den Organisationen der europäischen Nachbarn für die rasche Hilfe und lobt das gemeinsame Engagement der Einsatzkräfte im Hochwassergebiet.

10.12.2003 Mittwoch:

Heute besucht THW-Präsident Georg Thiel die 850 ehrenamtlichen THW-Helfer, welche seit vergangenem Freitag im Einsatz sind, und verschafft sich einen Überblick über die Lage vor Ort. "Der weitere Einsatz des THW sei unerlässlich, davon habe er sich bei seinem Blitzbesuch überzeugen können" sagt Thiel im Gespräch mit Verantwortlichen der Départementverwaltungen und der französischen Regierung.
Der Einsatz wird also länger dauern. Die eingesetzten THW-Kräfte werden um weitere Kräfte aus Deutschland verstärkt bzw. zum Teil ersetzt. Die THW-Leitung organisiert inzwischen den Transport der Helfer und ist dabei auch in Verhandlungen mit Fluggesellschaften die gegebenenfalls Helfer und Materialtransport übernehmen.

Unterdessen werden Deiche durchbrochen und Kanäle umgeleitet.
Die Pegelstände sind deutlich gefallen. Deshalb wird auch ein kompletter Einsatzabschnitt in das Rhônedelta verlegt, um in Silvéréal am Rande der Camarque mit einer Pumpleistung von 107.000 Litern pro Minute Wasser in die kleine Rhône umzuleiten, damit die aufgestauten Wassermassen aus Arles sowie den Départements Gard und Bouches-du-Rhône ins Meer abfließen können.

Mittlerweile wurden vom THW allein aus dem Stadtgebiet von Arles mehr als zwei Millionen Kubikmeter Wasser abgepumpt, weitere rund 1,5 Millionen Kubikmeter an den Einsatzorten Moulès und L’Ardoise. Darüber hinaus werden die französischen Einsatzkräfte von Helfern der italienischen Feuerwehr und der belgischen Protection Civile im Katastrophengebiet mit Hochleistungspumpen unterstützt.
Die Hilfskräfte arbeiten im Schichtsystem rund um die Uhr.

Tag und Nacht ist die französische Polizei und das Militär mit Schlauchbooten unterwegs, um Plünderungen zu verhindern.

Aufgrund des Einsatzes wird unsere Funkübung vom 13.12.2003 auf (vorerst) Samstag, 10.1.2004, verschoben. Auch die Weihnachtsfeier wird auf den 17.01.2004 verschoben und nennt sich jetzt Jahresabschlussfeier.

 

11.12.2003 Donnerstag:

Heute hieß es, dass der Einsatz des THW voraussichtlich noch eine Woche dauern wird.
Im Einsatzgebiet befinden sich momentan 878 Helfer.
Fachberater halten enge Kontakte zu den örtlichen und überörtlichen französischen Einsatzkräften.
15 tschechische Hilfskräfte werden vom THW verpflegt und untergebracht.
Zum Abpumpen wird jetzt auch die Kanalisation verwendet. Dabei wird das Wasser in die Kanalisation geleitet/gepumpt und an anderer Stelle wird es wieder heraus in den Fluss Rhône gepumpt.
Es wird damit begonnen die Helfer vor Ort durch weitere THWler aus Deutschland zu verstärken bzw. abzulösen.

Heute Nachmittag ist auch von unserem Ortsverband eine Ablösemannschaft nach Südfrankreich aufgebrochen. Unterwegs nehmen sie in Pfaffenhofen weitere Helfer auf. Die Helfer Olaf von Luckwald und Johannes Wippenbeck lösen dabei die Kameraden Andreas Ostermeier und Florian Ferwagner ab, die nach einer Woche Einsatz in Arles wieder in die Heimat zurückkehren.
Das Austauschen der Helfer ist erforderlich, da alle ehrenamtlich mitwirken. Die jeweiligen Arbeitgeber stellen die THWler von der Arbeit frei. Das ist für die Betriebe nicht immer so leicht. Deshalb gilt ihnen ein besonderer Dank.

Eine Woche dauert nun der Einsatz. Mittags wurde nach Absprache mit den französischen Verantwortlichen eine Reduzierung der vor Ort befindlichen Einsatzkräfte beschlossen.
Durch den erfolgreichen Einsatz wurden bereits Einsatzabschnitte verlegt und am Wochenende werden auch die jetzigen 5 Einsatzabschnitte reduziert.


12.12.2003 Freitag:
Damit das alles reibungslos funktioniert sind in den Ortsverbänden täglich THWler tätig.

Seit gestern sind Busse und Kleinbusse nach Frankreich unterwegs, um die Helfer abzulösen und mit Ersatzteilen zu versorgen. Heute früh sind bereits 100 neue Helfer angekommen. Bei den Austauschen wird auch die Zahl der Helfer als auch die eingesetzten Geräte reduziert. Da nach derzeitiger Lage der Einsatz am 20. Dezember (vielleicht) enden wird, wenn die französischen Kräfte dann in der Lage sind, die Arbeiten eingeständig zu erledigen.

In der vergangenen Nacht wurden 500 weitere THW-Einsatzkräfte in das Katastrophengebiet gebracht.
Im Gegenzug treten heute 610 THW-Einsatzkräfte die Rückreise aus dem Hochwassergebiet an.
Bei der Heimfahrt wollte bei einem LKW die Elektronik nicht mehr. Der LKW wird nun repariert.

Die Einsatzstellen in L’Ardoise und Moulès wurden trocken gelegt und konnten verlegt werden.

Auch im Stadtgebiet von Arles fällt der Hochwasserpegel weiter. Ist eine Stelle Wasserfrei, rücken Reinigungstrupps an und das öffentliche Leben geht an dieser Stelle wieder weiter.
Eine weitere Einsatzstelle wurde mittlerweile in Sylvéréal etwa 35 Kilometer südwestlich von Arles eingerichtet. Dort, am Rande der Camarque, wird das Wasser in die kleine Rhône umgeleitet, damit die aufgestauten Wassermassen aus Arles sowie den Départements Gard und Bouches-du-Rhône ins Meer abfließen können.

Oberirdische Stromleitungen haben auch ihren Vorteil. Sie kamen mit dem Wasser nicht in Berührung und können so schnell wieder in Berieb genommen werden. Und in Frankreich gibt es viele oberirdische Leitungen.

Die Schäden durch das Hochwasser in Südfrankreich werden die Versicherungen nach bisherigen Schätzungen bis zu einer Milliarde Euro kosten. Hinzu kommen noch die ganzen Schäden, welche nicht versichert sind.


13.12.2003 Samstag:

Zur Verabschiedung der ersten abgelösten THW-Hochwasserspezialisten in Arles haben sich die Schülerinnen und Schüler einer Grundschule eine besondere Überraschung ausgedacht: Die Kinder übergaben den abreisenden Helfern selbstgemalte Bilder, auf denen sie ihren Impressionen vom Einsatz und ihrer Dankbarkeit Ausdruck verleihen. Die Eltern und Lehrer der Kinder hatten die Verabschiedung organisiert, um sich zu bedanken. Auch einen musikalischen Gruß gab es zum Abschied: eine Künstlergruppe brachte den THW-Kräften mit traditionellen Instrumenten wie Trommeln und Blockflöten ein Ständchen. Dabei spielten einige Musiker sogar jeweils zwei Instrumente gleichzeitig.

Die Dankbarkeit auf Seiten der Bevölkerung ist groß. So gehen immer wieder Anwohner auf die deutschen Einsatzkräfte zu, bringen ihnen Kaffee und Kuchen oder sagen einfach nur "merci". Auch zahlreiche E-Mails und Anrufe gehen beim THW ein. Ein E-Mail-Verfasser möchte sogar in Frankreich "ein kleines THW" gründen, schreibt er und fragt an, wie man damit am Besten beginnen könne.



14.12.2003 Sonntag:
Die Situation in den überfluteten Gebieten Südfrankreichs entspannt sich immer mehr. Am neunten Einsatztag sehen die Hochwasserspezialisten des THW in Arles den Erfolg ihres Einsatzes. Durch den massiven Einsatz von Pumpen sind die ersten Straßen, auf denen in den letzten Tage nur Boote verkehren konnten, wieder für Fahrzeuge befahrbar. Die ersten Bewohner können jetzt trockenen Fußes wieder in ihre Wohnung zurückkehren und mit den Aufräumarbeiten beginnen. Die ersten Geschäfte entlang der Hauptstraße im Norden von Arles sind bereits wieder geöffnet. Auch für die Arbeit der französischen Feuerwehren haben die THW-Pumpen die Voraussetzungen geschaffen, mit den weniger leistungsstarken Fahrzeugpumpen der Walbrandlöschfahrzeuge werden jetzt Keller und Wohnhäuser leergepumpt. Für die anderen in Arles eingesetzten Einheiten von italienischem und belgischem Zivilschutz leistet das THW Unterstützung beim Abbau und dem Umsetzen von Pumpen.

Mit dem zurückgehenden Wasser können die ersten THW-Kräfte mit dem Rückbau ihrer Pumpen und Geräte beginnen. Am morgigen Montag beginnt die Rückführung von Einsatzkräften. Bis Mittwoch werden jeweils ein Drittel der eingesetzten Fachleute aus den Pumpen- und Elektroversorgungsgruppen nach Deutschland zurückkehren. Die Rückführung der letzten THW-Einheiten wird voraussichtlich am kommenden Freitag beendet sein.

An der ebenfalls vom THW betreuten Einsatzstelle Silvèrèal südlich von Arles werden die Pumparbeiten von Einheiten aus den Landesverbänden Bayern und Baden-Württemberg noch einige Tage dauern. Dort sind in der Ebene der Camargue weite Flächen überflutet. Um den Bewohnern die Rückkehr in ihre verstreuten Gehöfte zu ermöglichen, muss dort das Wasser in die höher gelegene "Kleine Rhone" gepumpt werden. Die Einsatzstelle ist wegen der überfluteten Straßen nur mit geländegängigen Fahrzeugen erreichbar.

Ein Helfer hat sich beim durchtrennen einer Leine am Finger verletzt. Nach der Behandlung durch einen anwesenden Rettungssanitäters wurde er in eine Klinik gebracht. Inzwischen ist der Helfer wieder wohlauf zu Hause.

Der Rücktransport der in Südfrankreich eingesetzten THW-Kräfte erfolgte bislang größtenteils mit Reisebussen. Müde und erschöpft fuhren die Helfer nach Hause.

Auch für die Helfer der Ortsverbandes Ergolding ist der Einsatz nun bald beendet. Heute treten die Niederbayern wieder die Heimreise an. Am Dienstag wird mit der Ankunft gerechnet.


15.12.2003 Montag:
Die Rückführung der meisten THW-Helfer nach Deutschland wird weitergeführt.


16.12.2003 Dienstag:
Von den fünf Einsatzabschnitten sind noch drei Einsatzabschnitte im Hochwassergebiet.
Unser Ortsverband ist inzwischen wieder daheim.


17.12.2003 Mittwoch:
Weitere Helfer kommen zu Hause an. So wurde gestern die Einsatzstelle in der Camargue aufgelöst. Deswegen kommen heute u.a. die Ortsverbände Bad Aibling, Ellwangen, Nabburg, Passau und Tuttlingen in einem Konvoi von 16 Fahrzeugen zurück.


18.12.2003 Donnerstag:
Nach wie vor wird gepumpt. Da aber die Wasserstände nicht mehr so bedrohlich sind, werden immer mehr Pumpen und Schläuche abgebaut.
Vorraussichtlich bis Freitag sollen die letzten der ursprünglich 878 Helfer aus dem Überschwemmungsgebiet abgezogen sein.


19.12.2003 Freitag:
Der Einsatz ist zu Ende.


20.12.2003 Samstag:
Die letzten THW-Einsatzkräfte kommen zu Hause an.



Ein paar Zahlen und Überblick:
Die schweren Regenfälle begannen am Dienstag, den 02.12.2003 ab 06:00 Uhr. In Avignon erreicht die Rhône einen Stand von 7,26 Metern, das sind fast drei Meter über der Hochwassermarke.
Das THW wird am Donnerstag, den 04.12.2003 ab 19:00 Uhr voralarmiert. Gegen 22:00 Uhr fahren die ersten Einheiten los.
Seit Samstag Mittag, den 06.12.2003 sind die ersten THWler im Einsatzgebiet tätig.
Am Samstag, den 20.12.2003 kommen die letzten Helfer nach Hause.

Insgesamt waren 1.300 THWler im Einsatz. Gleich zu anfangs waren 850 Helfer unterwegs. Zu Spitzenzeiten befanden sich 878 Helfer gleichzeitig in Südfrankreich.
40 Fachgruppen Wasserschaden/Pumpen sowie Führung/Kommunikation, Logistik (Material und Verpflegung), Beleuchtung und Elektroversorgung der THW-Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen sowie der THW-Länderverbände Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Bremen, Niedersachsen kamen zum Einsatz.
Mit einer Pumpleistung von rund 670 Kubikmetern pro Minute - das entspricht in etwa einem 25-Meter-Standardschwimmbecken - wird gegen die Fluten gekämpft.

Einsatzorte:
Zunächst konzentrierte sich der Einsatz auf die 50.000-Einwohnerstadt Arles und die Ortschaften Moulès und L’Ardoise in den Départements Gard und Bouches-du-Rhône.
Später wurde ein weiterer Einsatzabschnitt wurde 35 Kilometer südwestlich von Arles in Sylvéréal eingerichtet. Dort wurde mehrere Tage lang, mit einer Pumpleistung von über 100.000 Litern pro Minute, Wasser in die kleine Rhône umgeleitet, damit die aufgestauten Fluten besser ins Meer abfließen konnten.

In Arles war ein Drittel der bebauten Fläche überflutet, 7.000 Einwohner waren davon direkt betroffen, 4.200 mussten evakuiert werden.
In der Stadt Nimes waren 250 000 Menschen von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten.
300 Straßen wurden gesperrt. 25 000 Haushalte blieben längerfristig ohne Telefon, Vier Blöcke zweier Atomkraftwerke wurden vorübergehend abgeschaltet. 193 Häftlinge eines Gefängnisses mussten evakuiert werden.
Sieben Menschen kammen durch die Flut um.
Für die Versicherungen wird der Schaden auf eine Milliarde Euro geschätzt. Hinzu kommen noch die ganzen unversicherten Schäden.

Weitere Helfer aus dem Ausland kamen von den Italiener, Belgier und Tschechen.

Die französischen Behörden setzen in den rund 20 betroffenen Departements 7.000 Feuerwehrleute, 2.000 Polizisten, mehr als 500 Soldaten, die Bereitschaftspolizei CRS und Fremdenlegionäre ein.



Rückblick
Der Einsatz in Arles ist nicht der erste Soforthilfeeinsatz dieser Größenordnung des THW in Frankreich. Nach Unwettern waren bereits zum Jahreswechsel 1999/2000 fast 2.000 Einsatzkräfte zum bislang größten THW-Auslandseinsatz ausgerückt, um im Südwesten Frankreichs in der Region rund um Bordeaux das staatliche französische Stromversorgungsunternehmen EdF-GdF bei der Beräumung von zerstörten Anlagen, der Reparatur des Stromnetzes - vom Freileitungsanbau bis zum Hausanschluss - und bei der Notstromversorgung zu unterstützen.
Auch unser Ortsverband war beim Einsatz dabei.


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